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Diese Initiative, die im Verein für Interdisziplinäre Forschung
und Praxis" erst im Februar 1991 eine rechtlich-verbindliche Form
gefunden hat, hat sich als allgemeine Aufgabe zum Ziel gesetzt,
praxisorientierte Forschungs-, Informations- und Bildungsarbeit
von und für Frauen zu fördern, zu initiieren und auch selbst durchzuführen,
entsprechende feministische Aktivitäten zu unterstützen und zu
vernetzen, Frauen-Arbeitsplätze in diesen Feldern zu schaffen
und mittels Veranstaltungen, Stellungnahmen und Publikationen
in die öffentliche Diskussion um Frauenbelange und -interessen
einzugreifen bzw. feministische Anliegen zu vertreten. Nicht zuletzt
sind uns auch der gedankliche Austausch und die inhaltliche Diskussion
untereinander sehr wichtig.
Einige unserer Arbeitsformen sind: Arbeitskreise (spezifische
Themen), allgemeine Vereinstreffen mit Präsentationen, Vorträgen,
Diskussion (offen für Gäste von außen), jour fixes im Vereinsbüro,
interne Rundbriefe, Öffentlichkeitsarbeit, Organisation von Tagungen,
Seminaren, Kongressen, Projektarbeit, Beratung und Information
(Literaturhinweise, ReferentInnenvermittlung, Hilfestellung bei
Schwierigkeiten mit Forschungsvorhaben). Wir verfügen über zwei
(derzeit noch private) Spezialarchive zur Frauenforschung und
- zum einen zum Bereich Naturwissenschaften/ Technik/ Medizin,
zum anderen zum Bereich "Dritte" Welt- wir geben eigene Publikationen
heraus. Wir legen Wert auf die konstruktive Zusammenarbeit nicht
nur zwischen Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen und Journalistinnen,
sondern zwischen allen interessierten Frauen (also nicht nur solchen mit Universitätsausbildung),
auch wenn wir bislang nur sehr wenige nichtakademisch ausgebildete
Frauen zu unseren Mitgliedern zählen können.(2)
Wir wollen dazu beitragen, daß gleichzeitig mit dem Sexismus und
der Diskriminierung von Frauen auch jeglicher Rassismus in der
Gesellschaft und in den Wissenschaften abgebaut wird und arbeiten
daher mit entsprechenden anderen Initiativen möglichst eng zusammen.
Wir wenden uns gegen die bisherige Ausblendung und Verdrängung
weiblicher Erfahrung und die mangelnde produktive Berücksichtigung
von Frauen-Interessen in allen Wissenschaften, sind hingegen an
Wissenschaftsformen und -inhalten interessiert, welche die Erfahrungen
von Frauen mit und in der Gesellschaft - im Beruf, in der Familie,
in Wissenschaft, Recht, Politik und Kultur - ernstnehmen. Insbesondere
erstreben und verlangen wir die Entwicklung einer frauen-, kinder-
und naturfreundlichen Natur-/Technikwissenschaften und Medizin
mit einer sozial und ökologisch angepaßten Technologie.
Spezielle Zielsetzung des Vereins ist es, ein (außeruniversitäres)
Frauenforschungsinstitut aufzubauen, in dem unter anderem Voraussetzungen
und/oder Ansätze hierfür erarbeitet werden können. In diesem Institut
sollen die relevanten Problembereiche so bearbeitet werden, daß
daraus Anregungen für praktische Veränderungen und für soziale
Innovationen entstehen können, die direkt oder indirekt der Diskriminierung
von Frauen entgegenwirken und damit zu einer Humanisierung der
Gesellschaft beitragen. In Zusammenhang mit diesem Institut wurde
ein kleiner Verlag gegründet; mittels seiner Publikations(reih)en(3) sollen für Theorie oder Praxis wichtige Arbeitsergebnisse und
Materialien schnell herausgegeben und zur Diskussion gestellt
werden können. Das bisherige Verlagsprogramm enthält insgesamt
sechs Titel(4) ; weitere sind in Vorbereitung. Mit diesem Verlag bieten wir
der Frauenbewegung außerdem die Möglichkeit, durch die Vergabe
einer ISBN-Nummer für ihre Broschüren, Zeitschriften oder Bücher
deren Verbreitung zu erleichtern und den Vertrieb zu verbessern,
da diese Titel dann im "Verzeichnis der lieferbaren Bücher" (VLB)
aufscheinen; so wurde z.B. das "Frauenquiz" von Ilse M. Seifried,
das zunächst (ohne ISBN-Nummer) als AUF-Sonderband erschienen
war, nachträglich in unser Verlagsprogramm aufgenommen und kann
damit von jeder beliebigen Buchhandlung leicht bestellt werden,
auch wenn der Käuferin nichts Näheres, insbesondere auch keine
Bezugsadresse, bekannt ist.
Die Mitglieder unseres Vereins kommen sowohl aus den Ingenieur-
und Naturwissenschaften als auch aus den Sozial- und Geisteswissenschaften,
wobei die meisten berufstätig oder in der Endphase ihres Studiums
sind. Die Arbeit an einzelnen Projekten wird bislang zum Großteil
unentgeltlich bzw. gegen gelegentliches Honorar geleistet; teilweise
arbeiten Frauen im Rahmen eines Jungakademikerinnen-Trainings
mit; eine weitere Frau im Rahmen der Aktion 8000 (seit April 1994)
Kleinere Anfangssubventionen für den Aufbau haben wir in diesen
ersten drei Jahren von verschiedenen Ministerien, der Stadt Wien
und einer Bank erhalten. Für einen Teil der Publikationen konnten
wir Druckkostenzuschüsse einwerben. Insgesamt befinden wir uns
noch in der Aufbauphase.
Der Verein versteht sich als Teil der autonomen Frauenbewegung
und beteiligt sich am Dachverband Frauenvernetzung in Wien. Bei
allen Tätigkeiten suchen wir die Kooperation und Zusammenarbeit
mit an-deren Initiativen. Punktuelle Zusammenarbeiten und Vernetzungen
ändern sich je nach Projekt und Arbeitsgebiet. Unterschiedlich
intensive Kooperationen aber bestehen mit verschiedenen feministischen
Projek-ten, u.a. mit dem Wiener Frauenverlag, der Buchhandlung
"Frauenzimmer", der Menschenrechts-Arbeitsgruppe der Arbeitsge-meinschaft
österreichischer Frauenhäuser (AGÖF) und mit mehreren Einzelpersonen,
außerdem mit verschiedenen anderen Initiativen und Institutionen
im Bereich unserer Arbeitsschwerpunkte (siehe unten). Wir halten
Kontakt zu mehreren Wissenschaftlerinnen-Vereinigungen bzw. Schwester-Vereinen
im In- und Ausland und zu den für uns wichtigen wissenschaftlichen
(Dach-) Verbänden in österreich, wie z.B. dem "Forum Sozialforschung"
(FSF).
Inhaltliche Schwerpunkte
Inhaltliche Schwerpunkte unserer Arbeit liegen in drei Gebieten: kritische (Frauen-) Forschung und Frauenförderung im naturwissen-schaftlich-technisch-medizinischen Bereich, hinsichtlich der sogenannten "Dritten" Welt und feministische Theorie/Grundlagenforschung bzw. Fortentwicklung feministischer Theorie und Praxis allgemein.
Im Arbeitsfeld Naturwissenschaften/Technik/Medizin befassen wir uns zum einen mit der beruflichen Situation von Frauen in naturwissenschaftlich-technischen (z.T. auch medizinischen) Männerdomänen, und zwar nicht nur hinsichtlich der historischen und der aktuellen Zugangsbedingungen von und Durchsetzungsstrategien für Frauen, sondern insbesondere auch hinsichtlich der Möglichkeiten einer eigenständigen (feministischen) Beeinflussung und Gestaltung dieser Gebiete und ihrer Entwicklung(srichtung). Wir betreiben also feministische Naturwissenschafts- und Technik- sowie Medizin-Kritik. Dies beinhaltet z.B. die Analyse und Bewertung der sozialen und betrieblichen Strukturen dieser Bereiche, ihrer Denk- und Verfahrensweisen, ihrer Modellvorstellungen und Analogiebildungen sowie ihrer forschungs- und praxisleitenden Interessen und Zielsetzungen und ihrer ökonomisch-politischen Verquickungen und Funktionen - alles insbesondere in Hinsicht auf die Bedeutung und/oder Auswirkungen auf/für Frauen und Natur bzw. hinsichtlich feministischer und ökologischer Perspektiven. Beispielsweise hatten wir Vorträge und Diskussionen über den Berufseinstieg von Informatikerinnen, über Stadtplanungsalternativen von Frauen und über Gen- und Reproduktionstechnologien. Mitglieder des Vereins beteiligten sich an den bundesdeutschen Treffen von Frauen in Naturwissenschaften und Technik 1991 in Kiel und 1992 in Bremen und waren der Vorbereitung und Durchführung eines ersten solchen bundesweiten Kongresses in Österreich beteiligt, der Ende Oktober bis Anfang November 1993 in Wien stattgefunden hat (für diesen Kongreß wurde ein eigener Verein gegründet: "Anakonga"). Die Frage, inwiefern die Meteorologie ein Modell für feministische Arbeitsmöglichkeiten in den harten Naturwissenschaften darstellen könnte, wurde von einem Vereinsmitglied zusammen mit einer deutschen Kollegin untersucht(5) . Zwei Frauen erarbeiteten eine Studie und Stellungnahme zur Frage des Anteils der Physikerin bzw. Physikstudentin Mileva Maric, Albert Einsteins erster Ehefrau, an der Entwicklung der speziellen Relativitätstheorie, nachdem die "Zeit" hierüber einen sexistischantifeministischen Artikel veröffentlicht hatte(6) . Die schon länger geplante Ausstellung über Naturwissenschaftlerinnen und ihre Perspektiven innerhalb und/oder außerhalb der Institutionen - mit einem historischen Anteil zur Physikerin Lise Meitner - muß hingegen noch warten, da für die beantragte Aktion 8000-Stelle noch keine Ausfinanzierung gefunden wurde. Hingegen konnte die umfangreiche Dokumentation "Frauenforschung in Naturwissenschaft, Technik und Medizin", deren Endfassung von unserem Verein sowie von den Frauenreferaten mehrerer technischer Hochschulen und einer Gruppe von Medizinerinnen unterstützt wurde, nach sehr langer Arbeit noch rechtzeitig zum oben genannten ersten österreichischen Kongreß im Wiener Frauenverlag herauskommen; sie bietet mit ihren sieben Hauptkapiteln (A.Bibliographien, B. Theorie, C. Empirische Voraussetzungen der Frauenforschung, D. Geschichte, E. Einzelne Bereiche, F. Spezialzeitschriften, G. Adressen) sowohl einen umfassenden Überblick über die vorhandene Literatur (wobei zusätzlich oft Standorte und/oder Bezugsmöglichkeiten angegeben werden) als auch eine Adressen-Zusammenstellung der auf diesem Gebiet arbeitenden Forschungs- und Arbeitsgruppen, die die weitere Vernetzung und Zusammenarbeit fördern und dem Gefühl der Vereinzelung in diesen von Männern dominierten Bereichen entgegenwirken soll. Frauen in Naturwissenschaften und Technik, die sich in Studium und Beruf einer Vielzahl von latenten, strukturell bedingten Verunsicherungen ausgesetzt sehen (was z.B. eine relativ hohe Abbruchund Austiegsrate bedingt) erhalten über den Zugang zur Literatur bessere Möglichkeiten, sich mit den Erscheinungsweisen und Ursachen dieser Situation fundiert zu beschäftigen und aus dieser Auseinandersetzung Anregungen für die Überwindung der Probleme zu schöpfen. Mit mehreren Frauen, die nach abgeschlossenem naturwissenschaftlichen Studium und einer ersten Berufstätigkeit zu uns kamen, weil sie "nie wieder was naturwissenschaftliches", sondern hinfort nur noch "was mit Frauen" machen wollten führten wir intensive Gespräche - sie hielten die frauenfeindlichen, Konkurrenz- und "Macher"-orientierten Strukturen, Anforderungen und Verhaltensweisen im Beruf und/oder die am Naturobjekt vorbeigehenden Verfahrensweisen (Berechenbarkeit statt objekt-Bezug) ihres Faches nicht mehr aus; in einigen Fällen konnten wir sie beim Umstieg beraten, in anderen Fällen konnten wir einen Job in einer anderen naturwissenschaftlichen Institution vermitteln (Arbeitsplätze können sich im Detail sehr wohl unterscheiden!) und damit diese Frauen für die Wissenschaft "retten" - wir hoffen, daß sie weiterhin versuchen werden, ihre stärker objektbezogenen Sichtweisen in ihrem Fachgebiet durchzusetzen.
Im Arbeitsfeld "Frauen und 'Dritte' Welt" beschäftigen wir uns mit Arbeit, Lebenszusammenhängen, Initiativen, Gedanken und Zukunftsvorstellungen der Frauen der sogenannten "Dritten" Welt, insbesondere also für die weltweite Frauenbewegung, speziell für ihre ökologischen Kämpfe und Projekte. Es ist uns wichtig, in Österreich über die Sichtweisen, Interessen, Erfahrungen und Aktivitäten der Frauen in den sogenannten "Entwicklungsländern" - von denen wir auch viel lernen können - zu informieren und gleichzeitig, internationale feministische Kooperationen und Vernetzungen anzustreben. Weniger wichtig ist es uns dabei, ob sich die jeweiligen Frauengruppen als "feministische" bezeichnen oder sich anders benannt haben - für manche wäre die Selbstbezeichnung "feministisch" nämlich lebensgefährlich. Außerdem beziehen wir den Begriff "Dritte Welt" auch auf uns (die Menschen in den westlichen Industrieländern) zurück, einerseits, indem wir ausländische Frauen in Wien einbeziehen (Kontakte z.B. zum Verein LEFÖ, den Lateinamerikanischen Exilierten Frauen in Österreich) und andererseits, indem wir uns auch für Frauen in unterentwickelten Regionen der Industrieländer (die "Dritte Welt bei uns") interessieren, wie zum Beispiel für die Lebenslage von Landfrauen im Waldviertel (sie sind vergleichbaren strukturellen Problemen ausgesetzt wie Frauen in sogenannten "unterentwickelten" Gebieten der "Dritten" Welt; hier konnten wir allerdings noch kein Projekt beginnen ). Wir arbeiten mit dem Verein "Frauensolidarität" zusammen und in der österreichischen Sektion von "WIDE" (Women in Development - Europe) mit. Um bessere Voraussetzungen für die Frauenforschung und die internationale Vernetzung zu schaffen, haben wir mit der Herausgabe einer auf mehrere Bände angelegten "Dokumentation Frauenforschung International. Frauen und 'Dritte' Welt" begonnen, unserem derzeitig größten Projekt. Im Mai 1992 erschien (aus Aktualitätsgründen als erstes) der regionale Band zu Amerika (Teil 5/6) und im Sommer 1993 der regionale Band zu Afrika (Teil 4); für die arbeitsintensive Aktualisierung und Endbearbeitung des regionalen Bandes zu Asien, Ozeanien und Australien (Teil 2/3)und den Teil 7/8 mit Adressen, Bibliographien, Zeitschriften und Medienkatalog (mit Bezugsadressen), die so bald als möglich in Druck gehen sollen, suchen wir noch eine dafür ausreichende Finanzierung. Zweck dieser Bände ist es, allen an der Thematik Interessierten einen ersten und vor allem schnellen Zugang zur vorhandenen Literatur und zu verwendbaren Medien zu geben sowie für wissenschaftliche Arbeiten eine notwendige Grundlage zu liefern. Die Bibliographie umfaßt Monographien, Sammelbände, Beiträge in Sammelbänden und in Zeitschriften (insbesondere sogenannte "graue Literatur"), und zwar sowohl systematische als auch historische Titel, regional bezogene Arbeiten und Untersuchungen aus allen hier relevanten Fachdisziplinen, sowohl in deutscher als auch z.B. in englischer, französischer, spanischer, portugiesischer, türkischer und arabischer Sprache. Alle Einträge sind nach systematischen und regionalen Gesichtspunkten und innerhalb dieser chronologisch geordnet. Hinsichtlich dieser Publikation "Frauenforschung International" bestehen enge Kooperationen mit dem H. Fischer-Verlag in Erlangen, der den Vertrieb in der BRD organisiert und als Ko-Verlag fungiert, dem Verein "Frauensolidarität", der ÖFSE (Österreichische Forschungsstiftung für Entwicklungshilfe) und mit "Baobab" (der Schulstelle des ÖIE - Österreichischer Informationsdienst für Entwicklungspolitik, des ÖED - Österreichischer Entwicklungsdienst und der Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar Österreichs), alle in Wien.
Mit dem dritten Schwerpunkt, Theoretische Grundlagenforschung, sollen methodologische, begriffliche und historisch-systematische Grundlagen der Frauenforschung, speziell für die Fragestellungen der beiden oben genannten Projektbereiche, erarbeitet und ihre wechselseitigen Bezüge zueinander thematisiert und begründet werden. Denn eine ideologiekritisch, d.h. begrifflich und philosophisch genaue und reflektierte Vorgehensweise ist nötig, um inhaltlichen Verzerrungen durch einen möglichen Eurozentrismus im eigenen Kopf vorzubeugen (beispielsweise hinsichtlich der Konzepte "Natur" und "Frau/en". Auch die notwendige Interdisziplinarität ergibt sich nicht quasi "von allein" aus der Addition der beteiligten Fachdiszipinen, sondern muß mit dem Ziel einer integrierten neuen Sichtweise immer wieder neu erarbeitet werden. Probleme können in der interdisziplinären Zusammenarbeit nicht nur durch sozial- und geisteswissenschaftliche Vorurteile gegenüber Naturwissenschaft/lerinn/en und Technik/erinnen entstehen (die gibt es leider auch bei Frauen, die sich als Feministinnen begreifen!)(7) , sondern auch durch solche banalen Faktoren wie zum Beispiel dem, daß in kaum einer wissenschaftlichen Disziplin während des Studiums etwas über das Publizieren gelernt wird und vielen Frauen daher nicht bewußt ist, daß zur Herausgabe eines Buches GeldgeberInnen gefunden, daß Texte lektoriert und möglichst "ordentlich" gesetzt werden müssen, etc. etc., und daß dies nicht alles "von alleine" geschieht, sondern dazu qualifizierte Arbeit erforderlich ist. So hat bei einem Buch-Projekt über Ansätze von Frauen in den Biowissenschaften die (zum Teil noch studentische, zum Teil gerade erst berufstätig gewordene) Herausgeberinnengruppe das Handtuch geworfen, weil sie das mehrfach notwendige Geld-Beantragen-Müssen nicht mehr durchhielt. Erfolgreiche Erfahrungen in inter- und transdisziplinärer Zusammenarbeit konnten wir hingegen durch die Mitarbeit an dem interdisziplinären Videoprojekt der"Synapsen" Elizabeth McGlynn und Gertrude Moser-Wagner zwei Künstlerinnen sammeln (Thema sind die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen und Subjekt-Objekt-Beziehungen in Naturwissenschaft und Kunst), das inzwischen sowohl im Inland wie im Ausland bei zahlreichen öffentlichen Kulturveranstaltungen und im Schweizerischen Fernsehen präsentiert wurde. Der Katalog dazu erschien in unserem Verlag In diesem Projekt ging es um die Frage nach dem Blick bzw. dem Zugriff auf das Objekt einerseits von Kunst, andererseits von Naturwissenschaft. Elizabeth McGlynn bearbeitete darin wissenschaftskritisch die Schaukastenideologie systematisierender Mensch- und Weltauffassung, anhand von Aufnahmen im sogenannten "Rassensaal" des Naturhistorischen Museums Wien, Margarete Maurer kritisierte die unrefflektierte und unkritische Übernahme von Begriffen der Rassenbiologie des Nationalsozialismus und die wissenschaftlich veraltete Gestaltung eben dieses 8. Raumes des Naturhistorischen Museums der Stadt Wien. JournalistInnen haben später diese Auseinandersetzung aufgegriffen.(8) die Fraktion der "Grünen" brachte im Herbst am 1. September 1993 eine Parlamentarische Anfrage dazu im Österreichischen Nationalrat ein - die Ausstellung soll nunmehr umgestaltet werden. Für uns ein erfreuliches Ergebnis einer künstlerisch- wissenschaftlichen Zusammenarbeit.
Im besonderen interessieren wir uns für die Zusammenhänge und Bezüge zwischen den beiden oben zuerst genannten Schwerpunkten, wie z.B. für die Auswirkungen technologischer Innovationen und Modernisierungs- bzw. Rationalisierungsprozesse auf die internationale hierarchische geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, auf das Leben und den Alltag von Frauen weltweit (ein Thema z.B.: "Computerisierung und Frauenarbeit"), für die Gründe des Zustandekommen und die Auswirkungen von Entwicklungs"hilfe"-Projekten und einer bestimmten (neoliberalistischen) Wirtschaftspolitik auf die Lebens- und Arbeitszusammenhänge von Frauen sowie insbesondere für die weltweiten Bemühungen von Frauen, der Zerstörung ihrer Lebens- und Arbeitsmöglichkeiten und deren natürlicher Grundlagen ihren Widerstand entgegenzusetzen. Die Zusammenhänge zwischen "Entwicklung", "Ökologie" und "Technologie/Naturwissenschaft" sollen insbesondere unter der Perspektive der Frauen thematisiert werden. Welche eigenständigen Sichtweisen und Gestaltungsinteressen und -aktivitäten bringen Frauen in die Technologieentwicklung und das Natur-Wissen und dessen Produktion und Verbreitung, sowie in die praktischen Umgangsformen mit den natürlichen Ressourcen ein oder könnten dies, wenn man(n) sie ließe? Unsere Arbeitsgruppe "Frauen, Ökologie und 'Dritte' Welt" (bestehend aus drei Natur-/Technikwissenschaftlerinnen mit "Dritte"-Welt-Schwerpunkten, einer Politologin und einer indischen Soziologin) hat sich am Beispiel "Wasser" (Bedeutung des Wassers; Bewässerungssysteme; Staudammbau) intensiv und international vergleichend mit diesen Fragen befaßt. Auch organisierten wir Vorträge zum NGO-Forum beim Welt-Umweltgipfel in Rio de Janeiro und über das Narwada-Staudamm-Projekt in Indien. Ein Mitglied des Vereins bereitet eine Aktion zur Politik der Weltbank (anläßliche Arbeitsgruppe deren 50. jährigem "Jubiläum" 1994) hinsichtlich Frauen/arbeit und Großprojekten vor.
Vorläufiges Fazit:
Abgesehen von der kleinen Studie über Mileva Maric, die privat
finanziert wurde, konnten bislang im Rahmen des Vereins keine "eigentlichen" Forschungsprojekte durchgeführt werden(9) , da bislang noch keine mittel- geschweige denn längerfristig
gesicherten Arbeitsplätze geschaffen werden konnten bzw. die erforderliche
Grundfinanzierung fehlt (mindestens 1 1/2 Stellen für Büro/Geschäftsführung). Es wurden aber - sozusagen
als fachliche "Dienstleistungen" für die Frauenbewegung/und-forschung
- umfangreiche Dokumentationen bzw. Bibliographien publiziert,
die eine wichtige Grundlage für die weitere feministische Forschung
in den oben genannten Bereichen darstellen; so gilt die beim "Wiener
Frauenverlag" im Herbst 1993 erschienene 650seitige Dokumentation
"Frauenforschung in Naturwissenschaft, Technik und Medizin" diesem
schon jetzt als Standardwerk. Als zweite Hauptfunktion unseres
Vereins hat sich herausgestellt, daß wir Naturwissenschaftlerinnen
bei beruflichen Problemen und einzelne Frauenforscherinnen aus
den Sozial- und Geisteswissenschaften bei Schwierigkeiten in ihren
Forschungsprojekten beraten (bei inhaltlichen Problemen und/oder
solchen mit GeldgeberInnen oder Begutachtungen) . Mehrere Diplomarbeiten
wurden vor oder nach ihrer Fertigstellung bei internen Veranstaltungen
des Vereins im Konzept vorgestellt und dort sowie in weiteren
Gesprächen intensiv diskutiert, was nach Meinung der Autorinnen
sehr zum späteren Gelingen beigetragen - und einige von uns sehr
zum Nachsinnen darüber gebracht hat, welche Funktion unser Verein
damit gewonnen- hat. Denn mit diesen Leistungen - daß wir einen
freien, offenen und hochqualifizierten Diskussionsort für im Entstehen
begriffene Abschluß- und Forschungsarbeitenarbeiten geboten haben
- haben wir letztlich "nur" eine (wenn auch für die Betroffenen
sehr wichtige) Kompensationsfunktion erfüllt, die auf einem Mangel
der Universität(sstruktur)en beruht und eigentlich von den Universitäten
und Forschungsinstitutionen selbst erfüllt werden müßte. Unbezahlte
Zuarbeit bzw. Diplomandinnen- /Doktorandinnen- und Forscherinnen-Betreuungsarbeit
für Universitäten und Institutionen zu leisten, stellt aber nicht
unseren Vereinszweck dar(10) , auch wenn die Unterstützung von feministischen Frauenforscherinnen
in Institutionen und/oder von Frauen in sogenannten Männerdomänen
sehr wohl hierzu zählt, manches Thema universitärer Arbeiten bei
uns auf reges Interesse stößt(11) und außerdem umgekehrt einige Hochschullehrerinnen(12) und Universitätsangehörige zu unseren Mitgliedern und/oder Unterstützerinnen
zählen - so daß wechselseitige Kooperationen die Regel sind, und
nicht etwa gegenseitige Abgrenzungen. Es wird daher in Zukunft
darauf ankommen, diese Beratungstätigkeit fortzusetzen, aber auch
für uns selbst fruchtbar zu machen.
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